Aktuelles 17. Juni 2026

Was eine britische Studie zur Lebenserwartung wirklich sagt

Vielleicht hast du die Schlagzeile gesehen: „ADHS verkürzt das Leben." Klingt erstmal heftig. Ich hab mir die Studie angeschaut, und es ist deutlich weniger dramatisch, als die Überschrift glauben macht. Hier in Ruhe, was wirklich drinsteht.

Stand 06/2026mit Quelle

Zwei Frauen sitzen an einem Tisch, eine hält der anderen die Hand
30.029Erwachsene mit ADHS-Diagnose wurden mit 300.390 Personen ohne verglichenUCL / The British Journal of Psychiatry, 2025
Nur Diagnostiziertebetrachtet wurden ausschließlich Menschen mit ärztlicher Diagnose, nicht alle mit ADHSEinordnung der Studienautorinnen
Versorgungals Hauptursache benannt: Begleiterkrankungen und Unterversorgung, nicht ADHS selbstUniversity College London, 2025

Was da eigentlich untersucht wurde

Anfang 2025 ging eine Zahl durch die Medien. Forscher vom University College London haben rund 30.000 Erwachsene mit ADHS-Diagnose mit etwa 300.000 Menschen ohne verglichen. Veröffentlicht im British Journal of Psychiatry. Das Ergebnis: Die Gruppe mit Diagnose lebte im Schnitt ein paar Jahre kürzer.

Und genau hier lohnt sich der zweite Blick. Denn die nackte Zahl führt dich in die Irre.

Was die Zahl nicht heißt

Wichtig zuerst: Die Studie sagt nicht, dass ADHS dein Leben verkürzt. Drei Dinge musst du wissen:

  • Nur Leute mit Diagnose. Untersucht wurden Menschen, die schon eine ärztliche Diagnose hatten. Das sind oft die schwereren Fälle mit zusätzlichen Erkrankungen. Alle, die ADHS leicht oder unerkannt haben, fehlen komplett. Heißt: Der Effekt wird eher zu groß dargestellt.
  • Es geht um die Begleitumstände. Die Forscher selbst sagen: Der Unterschied kommt von Dingen, die man ändern kann. Unbehandelte Begleiterkrankungen, Rauchen, Unfälle, Stress, fehlende Unterstützung. Nicht von ADHS als Schicksal.
  • Es ist ein Durchschnitt. So eine Statistik über Zehntausende sagt null über dich und dein Leben aus.
„Es geht nicht um Angst. Es geht darum, früh hinzuschauen und sich nicht allein durchzukämpfen."

— als jemand, der selbst ADHS hat, seh ich das genau so

Warum mich das sogar beruhigt

Jetzt kommt der Teil, der mir wichtig ist. Wenn der Unterschied vor allem aus vermeidbaren Begleitumständen kommt, dann kannst du was tun. Früh erkennen, Begleiterkrankungen ernst nehmen, Leute um dich haben, die dich verstehen. Die Studie ist also keine Drohung. Eher ein Argument: Hinschauen lohnt sich, und keiner muss mit ADHS allein bleiben.

Kurz gesagt: Die Studie zeigt, wie wichtig Diagnose und Versorgung sind, nicht, dass ADHS gefährlich ist. Wenn dich das beschäftigt, sprich am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.

Und was heißt das hier bei uns?

Der Knackpunkt ist der Zugang. Ein Termin, eine Anlaufstelle, ein Gespräch. Genau dafür ist diese Seite da: geprüfte Adressen an einem ruhigen Ort. Wenn du dich wiedererkennst, ist der nächste Schritt eine fachliche Abklärung. Kein Online-Test.

Quelle & weiterführend

Wir verlinken die Originalquelle. Bewusst keine Diagnosen oder Heilversprechen.

  1. University College London (UCL), Pressemitteilung Januar 2025 – „People with diagnosed ADHD may have reduced life expectancy". Verständliche Zusammenfassung der Studie. ucl.ac.uk
  2. O'Nions et al., The British Journal of Psychiatry (2025) – Originalstudie, „Life expectancy and years of life lost for adults with diagnosed ADHD". cambridge.org/core
  3. AWMF S3-Leitlinie ADHS 028-045 (Version 2.0, 2025) – die maßgebliche deutsche Leitlinie zu Diagnostik und Behandlung.