Wissen · Orientierung
So läuft eine Diagnose
Vom ersten Verdacht bis zum Termin: Wer eine ADHS-Diagnose stellt, was dabei passiert und wie lange du realistisch wartest. Ohne Panik, ohne Versprechen, einfach der Weg.
Stand 06/2026fachlich gegengelesenmit Quellen

Der erste Verdacht
Am Anfang steht meist ein Gefühl. Du erkennst dich in Beschreibungen wieder, ein Online-Test schlägt aus, oder jemand aus der Familie hat eine Diagnose bekommen. Das ist ein guter Grund, der Sache nachzugehen, aber noch keine Diagnose. Selbsttests und Checklisten können sensibilisieren, ersetzen aber keine fachliche Abklärung.
Sinnvoll ist, vorher kurz zu sammeln: In welchen Situationen merkst du Schwierigkeiten? Seit wann? Gab es das schon in der Schulzeit? Diese Notizen helfen später beim Termin und sind oft Teil der Diagnostik.
Anlaufstelle finden
Diagnosen stellen psychiatrische oder psychotherapeutische Praxen, spezialisierte Ambulanzen und Kliniken. Für eine Überweisung oder erste Einordnung kann die Hausarztpraxis der Startpunkt sein.
Termin vereinbaren
Frag gezielt nach ADHS-Erfahrung. Setz dich gleich auf mehrere Wartelisten, das verkürzt die Wartezeit spürbar. Kläre, ob gesetzlich oder privat abgerechnet wird.
Die Diagnostik
Üblich sind ein ausführliches Anamnese-Gespräch, standardisierte Fragebögen, ein Blick auf die Kindheit (z. B. alte Zeugnisse) und der Ausschluss anderer Ursachen. Manchmal kommen Aufmerksamkeits-Tests dazu. Das geht meist über mehrere Termine.
Befund & Gespräch
Am Ende steht ein Befund, mit oder ohne Diagnose, und ein Gespräch über mögliche nächste Schritte. Du entscheidest, was davon für dich passt.
Was du zum Termin mitnehmen kannst
Je besser vorbereitet, desto runder läuft das Gespräch. Diese drei Dinge helfen erfahrungsgemäß am meisten:
Beispiele aus dem Alltag
Konkrete Situationen, in denen es schwierig wird, Job, Haushalt, Beziehungen. Stichpunkte reichen.
Unterlagen von früher
Alte Zeugnisse oder Berichte aus der Schulzeit. Sie helfen, frühere Auffälligkeiten einzuordnen.
Deine Fragen
Schreib auf, was du wissen willst. Im Termin vergisst man die Hälfte, auf Papier bleibt sie.
Du musst nicht perfekt vorbereitet sein. Auch ohne Unterlagen ist eine Abklärung möglich, Anlaufstellen findest du im Verzeichnis.
Die Wartezeit, ehrlich
Ein Termin ist oft nicht schnell zu bekommen. Wochen bis Monate sind keine Seltenheit, gerade bei spezialisierten Praxen. Das ist frustrierend, sagt aber nichts über dich aus. Was hilft: mehrere Anlaufstellen parallel anfragen, nach Absagelisten fragen und Wege außerhalb der eigenen Stadt mitdenken. Die Selbsthilfegruppen in der Region kennen oft Praxen mit kürzeren Wartezeiten.
Für viele ist das Warten der schwerste Teil – und sobald der Termin da ist, geht oft vieles schneller.
Nach der Diagnose
Eine Diagnose ist kein Endpunkt, sondern eine Erklärung. Welche Schritte danach sinnvoll sind, ist individuell und gehört in fachliche Hände: Dazu zählen je nach Situation Psychotherapie, Beratung, Coaching oder eine medikamentöse Behandlung. Was davon passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, hier geben wir bewusst keine Empfehlung und keine Heilversprechen. Viele berichten, dass schon das Verstehen entlastet. Austausch mit anderen hilft zusätzlich.
Quellen & weiterführend
Wir verweisen auf offizielle Leitlinien und seriöse Stellen. Bewusst keine Diagnosen oder Heilversprechen.
- AWMF S3-Leitlinie ADHS 028-045 (Version 2.0, 2025) – die maßgebliche deutsche Leitlinie zu Diagnostik und Behandlung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. register.awmf.org
- Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring (2024) – Daten zu Häufigkeit und Diagnose von ADHS in Deutschland. rki.de
- ADHS Deutschland e. V. – gemeinnütziger Verband mit Patienten-Informationen zum Diagnoseweg und Adressen. adhs-deutschland.de