Aktuelles 5. Oktober 2026

ADHS und der Bauch

Bauchweh, Verstopfung, Reizdarm: Eine neue Übersichtsarbeit aus Großbritannien zeigt, dass Menschen mit ADHS deutlich häufiger Magen-Darm-Beschwerden haben. Was die Studie sagt, was sie nicht sagt, und warum es sich lohnt, das Thema anzusprechen.

Stand 10/2026Quelle: Journal of Attention Disorders, Sept. 2026

Helle Küche mit Holzlöffeln und Schüsseln auf der Arbeitsfläche

Die Studie

Forschende der Warwick Medical School haben im September 2026 eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse im Journal of Attention Disorders veröffentlicht. Sie haben über 9.000 Fundstellen gesichtet und am Ende 23 Studien mit zusammen mehr als 1,9 Millionen Menschen ausgewertet, im Alter von 2 bis 65 Jahren. Die Daten stammen unter anderem aus den USA, Schweden, Südkorea und Deutschland.

Die Zahlen

  • Insgesamt hatten Menschen mit ADHS mit knapp 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit Magen-Darm-Beschwerden als Menschen ohne ADHS.
  • Verstopfung: fast doppelt so wahrscheinlich.
  • Reizdarm (Reizdarmsyndrom): 58 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit.
  • Einkoten (Enkopresis, vor allem bei Kindern): mehr als viermal so wahrscheinlich.
  • Auch Bauchschmerzen, Durchfall und Verdauungsbeschwerden traten häufiger auf. Erhöht war jedes untersuchte Symptom.

Woran es liegen könnte

Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Die Forschenden nennen mehrere mögliche Erklärungen, die wohl zusammenspielen:

  • Essen im Alltag: unregelmäßige Mahlzeiten, Essen vergessen oder impulsiv essen.
  • Körpersignale: Manche Menschen mit ADHS spüren Hunger, Durst oder Harndrang erst spät. Das kann auch den Gang zur Toilette betreffen.
  • Reize: Wer empfindlich auf Konsistenz oder Geruch reagiert, isst oft einseitiger, zum Beispiel mit wenig Ballaststoffen.
  • Stress und Schlaf: Beides wirkt auf die Verdauung, und beides ist bei ADHS oft ein Thema.
  • Medikamente: Manche ADHS-Medikamente können den Appetit dämpfen oder zu Verstopfung beitragen. Das gehört in die ärztliche Begleitung, nicht ins Selbst-Absetzen.
  • Darmflora: Es gibt Hinweise auf Unterschiede bei den Darmbakterien und auf die Verbindung zwischen Darm und Gehirn. Hier ist noch viel offen.

Was du daraus mitnehmen kannst

Sprich Bauchbeschwerden an. Die Forschenden raten Ärztinnen und Ärzten ausdrücklich, bei ADHS nach dem Bauch zu fragen. Du musst nicht warten, bis jemand fragt: Erwähn es beim nächsten Termin in der Hausarzt-, Kinderarzt- oder Facharztpraxis.

Bei Kindern: Einkoten ist kein Trotz. Wenn ein Kind wieder einkotet oder oft über Bauchweh klagt, steckt selten Absicht dahinter. Eine kinderärztliche Abklärung entlastet alle.

Kleine Erinnerungen helfen. Feste Essenszeiten, eine Wasserflasche in Sichtweite oder ein Wecker fürs Mittagessen sind unspektakulär, aber wirksam. Ideen dafür sammeln wir bei den Hilfsmitteln und unter Alltag & Struktur.

Wer in Mittelfranken eine Praxis oder Ambulanz sucht, die sich mit ADHS auskennt, findet sie im Verzeichnis, für Kinder und für Erwachsene.

Kurz gesagt: Bauchbeschwerden kommen bei ADHS deutlich häufiger vor. Das heißt nicht, dass ADHS sie verursacht, aber es lohnt sich, sie ernst zu nehmen und anzusprechen. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  • Blake S, Cannon H, Shantikumar S: „The Association Between Attention-Deficit Hyperactivity Disorder and Gastrointestinal Symptoms: A Systematic Review and Meta-Analysis“. Journal of Attention Disorders, 2026, DOI 10.1177/10870547261469626 – doi.org
  • University of Warwick, Pressemitteilung „People with ADHD more likely to suffer gut problems“, September 2026 – warwick.ac.uk
  • Euronews Health, „ADHD is linked to almost 50% increase in gut problems“, 17.09.2026 – euronews.com

Geprüft: 05.10.2026.