Aktuelles 4. September 2026

Was die neue ADHS-Leitlinie ändert

Seit Juni 2026 liegt die überarbeitete S3-Leitlinie zu ADHS als Konsultationsfassung vor. Sie ist noch nicht endgültig, zeigt aber klar, wohin sich die Diagnostik bewegt: breiter, genauer, auch digital. Was das für dich heißt, wenn du in Mittelfranken eine Abklärung suchst.

Stand 09/2026Konsultationsfassung, noch nicht endgültig

Zwei Menschen im freundlichen Gespräch an einem Tisch

Worum es geht

Eine S3-Leitlinie ist die höchste Stufe. Fachgesellschaften fassen darin unter dem Dach der AWMF (Registernummer 028-045) den Forschungsstand zusammen und leiten Empfehlungen ab, an denen sich Ärztinnen und Therapeuten orientieren. Die erste Fassung war von 2017/2018. Seit dem 1. Juni 2026 liegt die überarbeitete Version 2.0 als Konsultationsfassung vor: Fachleute und Verbände können sie noch kommentieren, die endgültige Fassung folgt später. Die Richtung steht also, einzelne Formulierungen können sich noch ändern.

Was sich bei der Diagnose ändert

  • Breiterer Anlass für eine Abklärung. Nicht mehr nur beim „klassischen" ADHS-Verdacht, sondern schon bei Entwicklungs-, Lern-, Leistungs- oder Verhaltensproblemen. Es zählt, ob der Alltag leidet, nicht ob jemand ins Klischee passt.
  • Erwachsene und Frauen besser erfassen. Die Leitlinie benennt, dass ADHS sich oft als Dauer-Überforderung, Erschöpfung, Aufschieben oder starke Gefühlsschwankungen zeigt, nicht als sichtbare Hyperaktivität. Gruppen, die bisher übersehen wurden, sollen früher erkannt werden.
  • Video-Diagnostik wird anerkannt. Strukturierte Interviews per Video gelten erstmals als valide, wenn qualifiziertes Personal sie führt. Für lange Anfahrten und dünn besetzte Landkreise ist das eine echte Entlastung.
  • Klare Qualifikation gefordert. Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte sollen ADHS nur diagnostizieren, wenn sie eine entsprechende Weiterbildung und nachweisbare Erfahrung haben.

Was das für Mittelfranken heißt

Mehr Menschen fallen in den Blick, und gleichzeitig sind Termine knapp. Am Weg zur Abklärung ändert sich für dich kurzfristig wenig, aber die Chance, ernst genommen zu werden, steht künftig besser. Wenn bei dir eine Abklärung ansteht: Im Verzeichnis findest du Praxen und Kliniken in der Region, So läuft eine Diagnose erklärt den Ablauf, und Therapieplatz finden hilft bei der Suche danach. Wenn Video-Diagnostik für dich in Frage kommt, frag direkt bei der Praxis nach, manche bieten das bereits an.

Kurz gesagt: Die Leitlinie ist noch in der Konsultation, also noch nicht endgültig. Wenn du gerade auf eine Abklärung wartest, ändert sich für dich nichts am Weg. Aber die Diagnostik wird breiter gedacht und genauer geregelt. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  • AWMF, S3-Leitlinie „ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen", Registernummer 028-045, Konsultationsfassung vom 1. Juni 2026 – register.awmf.org
  • Einordnung: ADHS & Autismus Beratungsnetzwerk Dachverband e.V., „S3-Leitlinie 2.0 (2026): warum die Diagnostik die größte Neuerung ist" – adhs-autismus-adressen.de

Geprüft: 04.09.2026.